Was ist das Innere Kind?

Höre auf dich zu fragen – „was stimmt mit mir nicht?“, frage dich stattdessen- „was ist mir passiert?“

Unsere seelischen Verletzungen

Im Laufe unseres Heranwachsens wird ein Teil von uns erwachsen und der andere Teil dagegen bleibt ein Kind. Unser Inneres Kind symbolisiert unser emotionales ICH.

Es gibt keine Eltern die perfekt sind/waren und so sind wir oftmals in einem ungesunden emotionalen Umfeld aufgewachsen. Im Laufe des Heranwachsens hat sich in diesem Umfeld unser erwachsenes ICH entwickelt. Doch als Kind haben wir nicht alles bekommen, was wir brauchten und tragen als Erwachsener diese vielen kleinen oder großen Verletzungen = seelische Wunden und Belastungen in uns.

Diese ersten Erfahrungen, in unserem Elternhaus, wirken sich auf unser ganzes Leben aus. Unsere frühkindlichen Prägungen ziehen sich, mit immer gleichen oder ähnlichen Mustern in unserem Verhalten, durch unser ganzes Leben. Dies sich immer wiederholenden Verhaltensmuster lassen sich am besten in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen erkennen. Solange wir unsere seelischen Verletzungen nicht erkennen, sehen, akzeptieren und auflösen, können sich unsere Gedanken- und Verhaltensmuster nicht zum Positiven verändern.

Das Innere Kind steht genau für diese unbewussten Gefühle, Erlebnisse und Erinnerungen die wir in unserer Kindheit erfahren haben. Durch diese seelischen Verletzungen wie, Mangel an Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit, Ablehnung und Zurückweisungen, Unzuverlässigkeit, Kränkungen, Traumatisierungen, in der Kindheit kommt es später im Erwachsenenalter häufig dazu, dass sich dieses verletzte Innere Kind zum Schutz von belastenden Erinnerungen abkapselt.

Hast du das Gefühl, dass dich deine Emotionen und Gedanken einschränken und du immer wieder Opfer deiner eigenen Verhaltensweisen und Reaktionen bist?

Für Stefanie Stahl (bekannte Autorin und Psychotherapeutin) steht das Innere Kind für die Summe all jener Kindheitsprägungen, die wir durch unsere Eltern und andere Bezugspersonen erfahren haben.

Eltern die eine Emotion des Kindes ablehnen, abtun oder missbilligen, geben ihrem Kind damit zu verstehen, dass seine Gefühle nicht richtig sind. Das Kind lernt, sein eigenes Urteil anzuzweifeln, und verliert sein Selbstvertrauen. Mit der Zeit übernimmt das Kind diese Einschätzung der Eltern über seine Gefühle. Das Traurige daran ist, dass das Kind dadurch lernt, seine Gefühle als falsch zu bewerten, aber in seinem Inneren fühlt es ja trotzdem so. Diese Menschen wachsen im Glauben heran, dass etwas mit ihnen nicht stimme, etwas sei nicht richtig, weil sie etwas fühlen, was sie nicht fühlen sollten. Doch sind es genau diese Gefühle die echt, authentisch, richtig und in Wirklichkeit angebracht sind.

Frühkindliche Erfahrungen wirken sich auf unser ganzes Leben aus, auch wenn wir den Zusammenhang alleine nicht erkennen können, ein Blick in die Vergangenheit lohnt sich. Viele Menschen haben beim Heranwachsen gelernt den Zugang zu ihrem Inneren Kind abzuschneiden. Dadurch werden bestimmte negative Gefühle verdrängt und sie brauchen nicht gefühlt zu werden. Diese Menschen lehnen, aus natürlichem Eigenschutz, ihr Inneres Kind ab. Diese Ablehnung führt dazu, dass nicht „nur“ die negativen Gefühle abgeschnitten werden, sondern gleichzeitig wird auch der Zugang zu seinen positiven Gefühlen versperrt. Solche Menschen verlieren die Verbindung zu ihren kindlichen Gefühlen und ihren Erinnerungen.

Gleichzeitig fühlt sich das abgelehnte Innere Kind, bei solchen Menschen nicht gut genug, nicht liebenswürdig und entwickelt belastende Gefühle von Angst, Schuld und Scham.

Aber gerade diese unbewussten Gefühle, diese gespeicherten Emotionen, inneren Bilder, Gedanken- und Verhaltensmuster unserer Kindheit, welche wir immer noch in uns tragen, bestimmen in der Gegenwart über unser Fühlen, Denken und Handeln. Denn unser Inneres Kind lebt beständig in uns weiter, und alles, was wir erlebt haben, spielt in unserem jetzigen Leben eine Rolle. Insbesondere die negativen Erfahrungen, wie Verletzungen und Kränkungen, verankern sich tief in unserem Unterbewusstsein und erschweren es uns, im Erwachsenenalter, unser volles Potenzial zu leben.

Unser unterdrücktes und abgelehntes Inneres Kind zeigt sich immer dann, wenn wir uns zu unrecht persönlich angegriffen fühlen, wenn wir bei kleinsten Kränkungen irrational, übertrieben und unverhältnismäßig emotional reagieren. Umgangssprachlich nennen wir das „Triggern“. Es kann sich aber auch in einem minderen und gestörten Selbstwertgefühl, in generalisierter Angststörung, tiefgreifender Unsicherheit, in Suchtverhalten oder einem übermäßigen Streben nach Anerkennung und Aufmerksamkeit zeigen.

„Das Innere Kind zeigt sich in ungesundem Verhalten und emotionalen Mustern.“ (Peter Beer, Coach und Psychologe)

„Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“

Erich Kästner

Was passiert in der Therapie?

Das Ziel der Therapie ist es, eine liebevolle Verbindung zwischen deinem Inneren Kind und deinem Erwachsenen herzustellen. Durch die Therapie hast du die Möglichkeit dein Inneres Kind zu akzeptieren, es anzunehmen und dich mit deiner „inneren Wahrheit“ zu verbinden, damit wieder Freude, Neugier und Lebenslust Platz in deinem Leben haben.

Es werden Verhaltensmuster hinterfragt und die damit zusammenhängenden frühkindlichen Prägungen erkannt. Alte Glaubenssätze, die du in der Vergangenheit gebildet hast und die dich jetzt hindern, werden sichtbar gemacht und können losgelassen werden. Neue bessere Glaubenssätze, nach denen du leben möchtest, werden gebildet. Mit dieser Übernahme deiner Selbstverantwortung können deine alten Wunden aus der Kindheit heilen, Blockaden können sich lösen und du findest einen immer besseren Zugang zu deinem Inneren – deiner Freude, deiner Wahrnehmung und Intuition. Du hast endlich die Möglichkeit Antworten auf deine Fragen -„warum bin ich wie ich bin und wer bin ich überhaupt?“ – zu bekommen.

Diese innere Verbindung ist eine große Kraftquelle und stellte eine wichtige Ressource dar.

Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie und der Neurologie belegen, dass wenn du den Mut hast dich zu reflektieren, dich an dein eigenes Kind in dir zu erinnern, es zu erkennen, zu akzeptieren und es anzunehmen, die Chance besteht hinderliche alte Verhaltensmuster und Glaubenssätze zu verabschieden und dich für Neues zu öffnen.

“Sein Inneres Kind annehmen kann helfen erwachsen zu werden.“

Historie:

Schon der Neurophysiologe, Tiefenpsychologe, Arzt und Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856-1939) glaubte, dass unbewusste, abgespaltene Konflikte die Hauptursache für viele psychische Störungen seien. Durch den Psychologen John Bradshaw (1933-2016), sowie der Psychologin und Psychotherapeutin Margaret Paul und Dr. Erika Chopich wurde der Begriff des „Inneren Kindes“ immer bekannter. Seit den 1990er Jahren wurden verschiedene Ansätze der „Inneren-Kind-Arbeit“ entwickelt und in unterschiedlichen therapeutischen Verfahren manifestiert. Seitdem ist diese therapeutische Innere-Kind-Arbeit in vielen Psychotherapie-Praxen nicht mehr wegzudenken.